Der Luxus am Limit?!

Gerade habe ich durch Zufall einen interessanten Artikel über die Entwicklung der Luxusindustrie gelesen und muss gestehen, dass ich mich sehrwohl in diesem wiederfinde. Luxus ist Masse geworden und das tut den Marken einen großen Abbruch. Wer früher exklusiv und im Vergleich zu heute noch bezahlbar shoppen konnte, der muss sich heute um das neue Modell der Handtasche oder die Schuhe in der passenden Größe prügeln und dazu auch noch 30-60 % tiefer in die Tasche greifen. Aber warum? Meint die Industrie, dass mit dem Massenandrang auf Luxusgüter alles besser wird? Für die Aktionäre vielleicht, aber was das Image angeht haben sich die Herrschaften wie es scheint kräftig verkalkuliert…

paris-street-style-spring-2015-day-1-1

Image via wmagazine.com

Gestern erst saß ich in einer Boutique auf dem Neuen Wall, da meine bessere Hälfte und ich einen Termin in der Stadt hatten und unser Fahrer im Stau steckte schauten wir in meiner Lieblingsecke des Geschäfts einmal vorbei: der Schuhabteilung. Rote Sohlen soweit das Auge reicht, aber Moment mal vor einem Jahr wäre das nicht möglich gewesen. Solch eine Auswahl an Louboutins und das auch noch in mehreren Größen? Ich saß vor den Schuhen und fühlte nichts, garnichts. Ein mir völlig fremdes Gefühl – ich war satt. Nichts konnte mich begeistern, meine Blicke fesseln oder mir gar Geld aus dem Portemonnaie entlocken. Aber warum nicht? Ich fing sogar an darüber nachzudenken, dass ich etwas schön fände, aber unter mittlerweile anderen Bedingungen – unter anderen Preisbedingnungen. Ein kleines Beispiel: Vor 365 Tagen kaufte ich ich Düsseldorf meinen ersten So Kate von Christian Louboutin zu einem Preis von 445,- Euro. Mitte diesen Jahres verliebte ich mich in das selbe Modell aus einer andere Lederart, diesmal waren 465,- verzeichntet und gestern nun fand ich Modell So Kate in einer sehr ausdrucksstarken Sommerfarbe für 485,- Euro. Vor 3 Jahren noch kostet das vergleichbare Modell Pigalle 345,- und die Qualität des Schuhs war wesentlich besser…

Image via usa.chinadaily.com.cn

Image via usa.chinadaily.com.cn

Noch ein Punkt, der die Hysterie auf Luxusmarken rapide sinken lässt: die Qualität. Früher unterschieden sich die Luxusmarken vom Massenmarkt, das Design war ansprechender, die Verarbeitung besser, das gesamte Image sowie der Auftritt waren rundum stimmig und gaben dem Konsumenten ein luxeriöses Gefühl von Heimat. 2014 ist davon nur noch wenig übrig. Bei Louis Vuitton werden trotz steigender Preise die Modelle “Speedy” und “Neverfull” vor Weihnachten verkauft als wäre es 20,- Hosen beim schwedischen Moderiesen, Gucci hebt die Preise stetig an, in den letzten Jahren um 40% aber warum? Weder das Image, noch die Designs, noch die Verarbeitung rechtfertigen diesen Preisanstieg! Seit Tom Ford Gucci verlassen hat ist weder mit dem Image noch mit den Designs besonders viel Gutes passiert – im Gegenteil. Und auch der All-Time-Fave aller “stilechten” Frauen, Chanel sprigt mit auf den Zug auf. Während früher Preise oder Ähnliches nie nach Außen kommuniziert wurden gibt es nun auf der Website alles, was der potenzielle Käufer gerne wissen möchte. Exklusivität adé!

best-street-style-at-paris-fashion-week-springsummer-2014-17

Image via thecitizensoffashion.com

Aber warum machen die Marken sich ihr Image kaputt, die Gier der Aktionäre wird eine große Rolle spielen. Umsatzvorgaben werden von Jahr zu Jahr gesteigert und sich kaum noch einzuhalten. Neue Stores, neue Store-Konzepte oder Outlets schießen aus dem Boden, denn B-Ware oder saisonales wird dem Kunden heute auch noch aufgedrückt – die Marken nutzen die Gier der Menschen sich darzustellen und im Luxusbereich mitspielen zu wollen und steigern damit ihr Verlangen und ihre Gier nach mehr. Die Masche der “Persönlichkeitsprothese” funktioniert eindeutig! Die Frage ist, wie lange noch. Die Zeiten sich schnelllebig, sobald wir etwas gekauft haben verliert es an Wert rapide an Wert. Und die Dinge, die uns als Besonderheit vorgestellt werden sind bei gutem Abverkauf nach einer Saison überall erhältlich, landen im Sale oder sind schon wieder Out.

Image via thecitizensoffashion.com

Image via thecitizensoffashion.com

Die Luxusindustrie kann dem Konsumenten keinen Anreiz mehr geben, außer den dazu zu gehören. Aber wozu eigentlich? Früher waren die Gruppen und Bervölkerungsschichten gut definitiert, heute kann jeder alles und zur Not kann er es werden. Ein Trugschluss. Wenn ich mir ansehe, mit wem ich mich gleichstellen kann, wenn ich eine Chanel Tasche trage fange ich mittlerweile an darüber nachzudenken, ob ich sie nicht verkaufen soll. Denn mit einer 16jährigen, die jedes Jahr nach St. Tropez in den Urlaub fährt, zwischendurch auf Ibiza ist, mit einer Rolex in die Schule geht und das auch alles noch als selbstverständlich ansieht – nein danke! Wohin soll diese Generation sich noch steigern? Wie weit soll das noch gehen?

Image via de.wikipedia.org

Image via de.wikipedia.org

Eine Marke schafft es allerdings immernoch aus der mittlerweile angehäuften Masse an Luxusmarken heraus zu stechen – Hermès. Der Bestellstop für die Klassiker Birkin und Kelly waren schonmal ein Schritt in die richtige Richtung, denn sich rar zu machen auf einem hohen Niveau, dass hat Hermès schon immer beherrscht wie keine andere Marke. Im Tradaitionshaus wird auf Qualität und den Umgang mit dem Kunden Wert gelegt. Wenn ich zu Hermès gehe, dann habe ich immer das Gefühl ich bin einer kleinen, ausgewählten Familie angehörig. Interior, Personal, alle ist aufeinder abgestimmt. Das Einzige, was Hermès momentan vorantreibt ist die Markenvielfalt, ob das ein guter Schachzug ist wird sich zeigen. Die Exklusivität verspricht Hermès aber definitv mehr als jedes andere Label am Markt.

Front Image: 31,Rue Cambon via dieschroeder.com

2 Comments

  1. Genevieve says:

    Ein sehr schöner, informativer Bericht. Vor allem auch kritisch geschrieben. Toll :)
    Ich selbst finde, dass es nicht unbedingt auf eine bestimmte Marke ankommt, sondern ob es mir gefällt. Natürlich möchte man, dass das neue Schätzchen auch nicht jeder trägt und vielleicht eher ein tolles Einzelstück ist :)
    Ich freue mich immer wieder, wenn ich mir etwas leisten kann, weil ich es selbst erarbeitet habe (kleine Anspielung auf die 16Jährige mit dem Saint Tropez Urlaub;))

    Liebe Grüße, Genevieve
    http://facilityinfashion.de/

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: